Chronik
250 Jahre Tradition
Diese Chronik wurde durch Erwin Funk geschrieben.
In diesem Vorwort sollen die Stationen aufgeführt werden, die zur Aufstellung,
Vervollständigung und Ergänzung der Chronik der Musikkapelle Bühlerzell
in den Jahren 1969 bis 1990 geführt haben.
Anläßlich des 7. Bezirksmusikfestes des Kreisverbandes Hohenlohe,
das im Jahre 1963 stattfand,
schrieb Josef Schierle (geb.1891, gest.1983) wohl zum ersten mal die Chronik
der Musikkapelle nieder. Er beschrieb die Zeit ab der Neugründung nach
dem ersten Weltkrieg im Jahre 1924. Er erwähnte, daß es auch schon
früher Musikanten in Bühlerzell gegeben habe und erwähnt dabei
auch den „Wängershans“ genannten Hans Harsch. Nach Auskunft
von Altbäuerin Barbara Hilsenbeck war dieser Hans Harsch auch im Jahre
1870 als Vorspieler dabei, als 6 Bühlerzeller Musikanten zu einem Kirchweih-
und Weinfest in der Heilbronner Gegend spielten.
In einer Notiz vom 14.12.1969 verweist Herr Hans Schechinger (Revierförster
in Kammerstatt von 1952 bis 1975) darauf, daß es einem Bericht in der
Bühlerzeller Chronik (Seite 139) zufolge, bereits im Jahre 1761 in Bühlerzell
eine Musikkapelle von 6 Musikanten gab, die bei "Figurierten Ämtern"
(die heiligen Messen wurden mit Tonkünstlern = Musikanten gefeiert) mitwirkten.
Auf Grund dieser Aufzeichnungen in der Ortschronik wurde die "Pro Musika"
Plakette beim Deutschen Volksmusikerbund beantragt, die Vereinen verliehen wird,
die herausragende Leistungen nachzuweisen haben und mindestens 100 Jahre alt
sind.
Im Verlauf des Antragsverfahrens wurden vom Empfehlungsausschuß für
die Verleihung der Pro Musika Plakette gefordert, noch weitere Beweise für
den Bestand einer Musikkapelle möglichst lückenlos für die letzten
100 Jahre vorzulegen. Da bis dahin vom Neunzehnten Jahrhundert keine nähere
schriftliche Aufzeichnungen bekannt waren, wurde die Großmutter unseres
Musikanten Anton Dambacher, Frau Barbara Hilsenbeck Altbäuerin in Bühlerzell
geb. 8.7.1880 befragt, die auf Grund von mündlichen Überlieferungen
viele Angaben zu Bühlerzeller Musikanten im letzten Jahrhundert machen
konnte.
In der Festschrift anläßlich des 225 jährigen Jubiläums
im Jahre 1986 habe ich folgendes geschrieben: "...Da jedoch in früheren
Zeiten nicht sehr viel niedergeschrieben wurde, wäre diese Besonderheit
(Erwähnung von Kirchenmusikanten im Jahre 1761) wohl nicht in die Chronik
eingegangen, wenn nicht einige Jahre später ein Streit um eine neue Orgel
entbrannt wäre. In einem Bericht hierzu heißt es unter anderem: "Nebenbei
gesagt hatte die alte Orgel viel leisten müssen, denn in Bühlerzell
blühte die Kirchenmusik. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1761 gab es sogar
figurierte Ämter. Dabei wirkte die Musikkapelle von sechs Musikanten mit,
die von der Kirchenpflege besoldet wurden".
Diese Festschrift las durch Zufall auch Herr Karl Bernlöhr aus Oberfischach.
Er war Mitbegründer und lange Zeit Teilhaber an der Fischachtaler Maschinenfabrik
(FIMA). In seinem Ruhestand hat er die Oberfischacher Heiligenpflege-Rechnungen
(= Kirchenbücher) durchgearbeitet. Dabei stellte er fest, daß die
Bühlerzeller Kirchenmusikanten von 1761 bis zur Säkularisation im
Jahre 1802 von der Oberfischacher Heiligenpflege besoldet wurden. Mit Schreiben
vom 4.3.1988 schickte er einige wichtige Auszüge an Bürgermeister
Franz Rechtenbacher und bot an, Interessenten Einblick in das umfangreiche Archiv
zu geben. Im März 1990 hat mir Herr Bernlöhr im Archiv in Oberfischach
(im Pfarrhaus neben der Kirche) alle Stellen gezeigt, in denen von Bühlerzeller
Kirchenmusikanten die Rede ist, wobei wir von allen wichtigen bzw. aussagekräftigen
Unterlagen Kopien gefertigt haben. So sind wir nun in der Lage, die ersten Jahre
von 1761 bis 1803 lückenlos dokumentieren zu können.
Warum die Bühlerzeller Kirchenmusikanten nicht von der Bühlerzeller,
sondern von der Oberfischacher Heiligenpflege besoldet wurden erklärte
Herr Bernlöhr so: Die Oberfischacher Heiligenpflege war im Achtzehnten
Jahrhundert relativ reich. Dies führte unter anderem dazu, daß den
Bauern im weiteren Umkreis Geld geliehen wurde, was den Reichtum noch vermehrte.
Obwohl die Pfarrei Oberfischach bereits seit1538 reformiert war, war sie weiterhin
in die Fürstprobstei Ellwangen incorporiert. Untere Verwaltungsstelle war
das Amt Tannenburg, das zwei Pfleger ernannte (siehe Festbuch 700 Jahre Pfarrei
Oberfischach Seite 58 bis 66). So kam es, daß das Amt Tannenburg die Mittel
der Heiligenpflege von Oberfischach unter anderem auch für Zuschüsse
in der ihm unterstellten Pfarrei Bühlerzell vergab, welche sehr arm war.
So wurde unter vielen anderen ein Zuschuß für den Pfarrer und die
Rosenkranzbruderschaft in Bühlerzell bezahlt.
Hinweis: Die Abkürzung "fl" bedeutet Gulden. Ein Gulden = 60
Kreuzer.